Meine Liebe zu Comics begann recht spät, irgendwann Ende 20 oder Anfang 30, so genau weiß ich es nicht mehr. Natürlich habe ich auch als Kind ab und an mal Comic-Hefte gelesen, zum Beispiel die „Mickey Mouse“, aber ich hätte mich damals nicht als Fan bezeichnet und wäre nie auf die Idee gekommen, mir ein Comic-Buch zu kaufen. Inzwischen habe ich eine kleine Sammlung an hervorragenden Graphic Novels, die sich alle um dieselbe Figur drehen: Batman.

Wie ich zu Comics kam 

Den Grundstein dafür legte die Serie „O.C., California“, und zwar eine ganz bestimmte Szene. Seth und Anna unterhalten sich darin über Comics und darüber, dass sie den Begriff Graphic Novels bevorzugen, weil Comics dadurch ernster genommen wurden. Ich gebe zu, dass „Comics“ und „ernst“ mit meiner damals sehr unwissenden und oberflächlichen Sicht auf das Genre nicht zusammenpassten, ich dachte vorher dabei eher an das „Lustige Taschenbuch“ und dergleichen. Daraufhin habe ich angefangen, mich näher mit der Comicwelt zu beschaffen und bin dabei auf ganz wunderbare, außergewöhnliche Werke gestoßen, beispielsweise auf „Daytripper“, das die Geschichte eines Verfassers von Nachrufen erzählt und dabei die verschiedensten Facetten des Lebens aufgreift, oder „Der fünfte Beatle: Die Brian Epstein Story“. Die größte Faszination übte aber schnell eine ganz bestimmte Figur auf mich aus: Batman. Entsprechend dominiert er auch meine kleine Comicsammlung. 

Warum Batman?

Dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist die Hintergrundgeschichte: Bruce Wayne muss als Kind dabei zusehen, sie seine Eltern ermordet werden. Das treibt ihn später dazu an, in das Kostüm der Fledermaus zu schlüpfen und die Bürger von Gotham City zu schützen. Dabei greift er zwar auf jede Menge teures Spielzeug zurück, vor allem aber hat er über Jahre hinweg hart trainiert, um der Rolle des „Dunklen Ritters“ gewachsen zu sein. Er will auch kein strahlender Held in glänzender Rüstung sein, sondern die Verbrecher sollen Angst vor ihm haben. Das spiegelt sich auch in der Wahl seines Kostüms wieder, denn Bruce Wayne hat Angst vor Fledermäusen. Die Wahl seiner Verkleidung ist also keineswegs zufällig. Auch ist Batman als Figur durchaus zwiespältig. Aus dem traumatisierten Jungen wird ein in vielerlei Hinsicht gebrochener Mann, der zwar als Batman zum Wächter über Gotham City wird, aber weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Gerade das macht ihn so interessant. Er trifft auch mal schlechte Entscheidungen oder macht Fehler, die ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

Batmans Kampf scheint oft aussichtslos, denn die Schurken, die er besiegt, brechen immer wieder aus, allen voran sein Erzfeind Joker. Übrigens hat Batman den Grundsatz, nicht zu töten. Es wurde zwar vereinzelt auch schon davon abgewichen, in den meisten Geschichten rund um den Dunklen Ritter ist das aber ein wesentliches Merkmal seiner Charakterisierung. Im Buch „Die Philosophie bei Batman – Eine Reise in die Seele des Dark Knight“ wird diese Thematik aufgegriffen, zusammen mit vielen spannenden Fragen wie etwa der, ob Batman in gewisser Hinsicht die Superschurken, die er bekämpft, erst erschafft, weil er ein Gegner ist, an dem sie sich messen wollen. Er ist also ein zwiespältiger Held, genau das macht ihn für mich so ungemein interessant. 

Außerdem bringt jede Batman-Geschichte auch ihre eigenen Sichtweisen auf den Dunklen Ritter mit sich. Es gibt einen gewissen Grundkonsens, dennoch haben verschiedene Autoren, Zeichner und Regisseure auch unterschiedliche Sichtweisen und Blickwinkel, die sie in ihre Werke einbringen. Es gibt nicht nur den einen Batman, sondern zahlreiche Interpretationen derselben Figur. Wenn ich zum ersten Mal zu einem Batman-Comic greife oder einen neuen Film anschaue, bin ich daher immer gespannt darauf, auf welchen Batman ich treffen werde. Das gilt natürlich gleichermaßen für seine Gegenspieler, denn ebenso wenig, wie es den einen Batman gibt, gibt es den einen Joker, den einen Two Face, den einen Pinguin. Dadurch ist jede neue Batman-Geschichte, sei es nun als Comic oder Film, eine kleine Entdeckungsreise mit einer Mischung aus Neuem und Vertrauten. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch sehr lange mit Spannung und Faszination auf diese Reise gehen werde.